Der Hofladen gehört zum Tag

Auf dem Hof Büsing in Elsfleth in Niedersachsen laufen Familie, Stall und Haushalt parallel. Seit 2020 gehört auch 
noch ein Hofladen dazu.
Wir haben Klaudia Büsing gefragt, wie sie ihre Aufgaben im Alltag wuppt. 

Welche Aufgaben übernehmen Sie im Betrieb?
Meine Aufgaben sind die Versorgung meiner Familie mit unseren drei Kindern, den Azubis und Angestellten. Für den landwirtschaftlichen Betrieb übernehme ich die Buchführung und alle zwei Wochen bin ich auch im Stalldienst verantwortlich. Mein Geschäft ist der Hofladen. Hier liegt alles in meiner Hand – Produktion, Verkauf, Organisation.

Was gab den Ausschlag, in die Vermarktung einzusteigen?
Wir hatten Interesse, unsere hofeigene Milch über eine mobile Käserei verkäsen zu lassen. Mit Zustimmung des Veterinäramtes durften wir den Käse bei uns in der Küche verkaufen. Wir starteten im März 2020 und mir wurde sehr schnell klar, dass der Verkauf aus der privaten Küche wieder raus muss. So richteten wir in einem leer stehenden Gebäude auf dem Betrieb einen Hofladen ein, den wir im Oktober 2020 eröffnet haben.

Wie haben sich Produkte und Angebot im Lauf der Zeit entwickelt?
Im Mittelpunkt steht der Käse aus unserer eigenen Milch. Leider hat sich die verarbeitete Milchmenge nach dem Anfangsboom mehr als halbiert. Dafür sind andere Produkte hinzugekommen. Seit dem zweiten Hofladen-Jahr halten wir Hühner und vermarkten die Eier, außerdem Kartoffeln. Seit drei Jahren bauen wir zudem verschiedene Sorten eigenes Gemüse an, für den Frischverkauf oder eingeweckt im Glas. Nach und nach erweiterten wir das Sortiment um weitere Produkte wie selbst gekochter Fruchtaufstrich oder Kuchen und Brot im Glas. Kekse, Sirup und Liköre stellen wir auch selbst her. Im Zukauf haben wir Wurst, Fleisch und weitere Produkte. Präsentkörbe sind das ganze Jahr gut im Rennen. Die Klassiker Eier und Kartoffeln sind sehr beliebt und werden jeden Tag gut gekauft. Donnerstag und Samstag verkaufen wir in Präsenz, zu anderen Zeiten steht der SB-Bereich bereit. Diesen haben wir nach den Wünschen unserer Kunden weiterentwickelt. Erst war es nur ein kleiner SB-Bereich mit Kartoffeln und Eiern und einer Kasse ohne Wechselmöglichkeit. Jetzt steht dort ein Kühlschrank für unseren Käse, weitere Produkte kamen hinzu und die Kunden können bargeldlos zahlen. Dadurch wird mehr eingekauft.

Wie ist Ihr Tag organisiert? Wie passen die Abläufe beispielsweise in Produktion und Verkauf zu den anderen Aufgaben?
Da es mein Hofladen ist, übernehme ich alle anfallenden Aufgaben und Organisationen. Mein Mann und ich sehen uns als Team, deshalb sprechen wir bestimmte Punkte ab. Seit viereinhalb Jahren unterstützt uns zudem eine Angestellte. Im Hofalltag versuche ich, meine Abläufe so zu organisieren, dass ich an festen Tagen in der Woche für den Hofladen arbeite und beispielsweise Produkte verarbeite. Donnerstags und samstags hat der Hofladen jeweils zwei Stunden in Präsenz geöffnet. In der Hofladenzeit können wir kleinere Arbeiten erledigen, etwa einen Kühlschrank auswischen. Bestellungen erledige ich nach Bedarf. Ganz wichtig ist mir der eine Tag in der Woche Büroarbeit. Was darüber hinaus an Zeit bleibt, gehört den Kindern, dem privaten Haushalt und der Freizeit.

Was motiviert Sie persönlich, diesen Bereich im Betrieb voranzubringen?
Mich motivieren der Spaß und die Freude an der Arbeit, die Verarbeitung, der Verkauf und die Vielseitigkeit unseres Angebots. Das spiegeln mir unsere Kunden. Sie kommen gerne wieder und sagen oft, dass sie dankbar sind, dass wir für sie da sind. Diese Wert schätzung tut gut.

Welchen Rat würden Sie Frauen geben, die überlegen, mit Direktvermarktung zu starten?
Ein möglicher Einstieg will sehr gut überlegt sein. Direktvermarktung bedeutet viel Arbeit und hohe Auflagen. Der Spagat zwischen Familie, Haushalt und Hofladen ist nicht immer einfach. Deshalb am wichtigsten: Die ganze Familie sollte dahinterstehen. Menschenscheu sollte man auch nicht sein. Zu den Öffnungszeiten sowieso, aber beispielsweise auch beim Nachfüllen im SB-Bereich treffen wir immer auf Kunden, die sich gerne unterhalten möchten, eine Frage haben, die Kälber streicheln und einen Blick in den Stall werfen oder Geld gewechselt haben möchten. Das kostet Zeit, doch wir machen es gerne. Deshalb haben wir auch schon zweimal zum Hoffest eingeladen, um über Landwirtschaft zu informieren und aufzuklären. Das Gespräch mit Kunden und Besuchern ist wichtig und macht wirklich viel Spaß.

In diesem Jahr würdigen die UN die Frauen in der Landwirtschaft. Welche Bedeutung hat dies für Sie?
Für mich steht das Jahr der Frauen in der Landwirtschaft dafür, die wichtige Rolle von Frauen auf den Höfen sichtbarer zu machen. Frauen leisten unglaublich viel. Ihr Beitrag geht weit über das hinaus, was man von außen manchmal sieht. Ich selbst fühle mich auf unserem Betrieb sehr wohl und wertgeschätzt. Genau diese Anerkennung und Selbstverständlichkeit wünsche ich mir für alle anderen Frauen in der Landwirtschaft.

Dieses Interview führte Pia Behrens und wurde in der HOFdirekt (Ausgabe: 03/2026) veröffentlicht.